Die Tatsachen

Junge Fahrerinnen und Fahrer

„In der Nacht zum Samstag kam ein 19-jähriger Beifahrer in einem Pkw ums Leben. Das Auto eines Freundes war wegen überhöhter Geschwindigkeit von der Fahrbahn abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Durch die Wucht des Aufpralls wurde der junge Mann sofort getötet. Der ebenfalls 19-jährige Fahrer des Wagens und drei weitere Mitfahrer im Alter von 16 bis 20 Jahren erlitten schwere Verletzungen.“

Solche und ähnliche Zeitungsmeldungen gibt es deutschlandweit nach jedem Wochenende. Junge Menschen sind die am stärksten gefährdete Verkehrsteilnehmergruppe. Ihr Risiko, bei einem Verkehrsunfall zu verunglücken und dabei verletzt zu werden, ist deutlich höher als bei den übrigen Altersklassen. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt ca. 8 Prozent – der Anteil der Verunglückten ca. 20 Prozent. Alle sieben Minuten verunglückt in Deutschland statistisch gesehen ein junger Verkehrsteilnehmer zwischen 18 und 20 Jahren und wird dabei verletzt, alle zwölf Stunden kommt einer bei einem Unfall ums Leben. In Mecklenburg-Vorpommern sind dies jährlich über 30 Männer und Frauen.

In der Wissenschaft spricht man von zwei Risiken, denen die jungen Verkehrsteilnehmer ausgesetzt sind: dem Anfängerrisiko und dem Jungendlichkeitsrisiko.

Das Anfängerrisiko besteht darin, dass junge Menschen „naturgemäß“ über relativ wenig Routine und Erfahrung im Straßenverkehr verfügen. Das Bedienen des Fahrzeugs – beschleunigen, bremsen, schalten, lenken – nimmt einen größeren Anteil der verfügbaren Aufmerksamkeitsressourcen in Anspruch als bei erfahrenen Personen. Deshalb bleiben für die Beobachtung des Verkehrsumfeldes weniger Kapazitäten übrig.

Zudem ist ihre Fähigkeit, die Wahrnehmung auf die situativ wichtigen Aspekte der Umgebung zu konzentrieren und das Verhalten anderer vorherzusehen, weniger stark ausgeprägt. Junge Fahrerinnen und Fahrer kennen mögliche Gefahren in den jeweiligen Verkehrssituationen mehr aus der Theorie als aus dem eigenen Erleben. In komplexen Situationen sind sie häufiger überfordert und reagieren im Notfall nicht schnell genug oder falsch. Insofern sind Anfänger stärker gefährdet als routinierte Fahrer mit einer längeren Fahrpraxis.

Das Anfängerrisiko gilt auch für Menschen, die erst mit 30 oder 40 Jahren den Führerschein erwerben. Für die jungen Fahrer ist zusätzlich das Jugendlichkeitsrisiko typisch. Vereinfacht gesagt: junge Menschen haben gegenüber Älteren ein weniger stark ausgeprägtes Bewusstsein von Sicherheit beziehungsweise Gefahren und sie neigen dazu, eher Risiken einzugehen. Objektiv gefährliches Verhalten wird von ihnen weniger intensiv wahrgenommen. Eine falsche Einschätzung ihrer Fähigkeiten („Ich kann das schon“) und eine Kontrollüberzeugung („Ich habe das im Griff“) sind bei ihnen stark verbreitet. Hinzu kommt ein unbewusster Glaube an die eigene Unverletzlichkeit („Mir passiert schon nichts“). Unfälle, Verletzungen, Tod – das betrifft allenfalls die anderen, auf keinen Fall aber sie selbst.

Selbstverständlich trifft das nicht für alle Jugendlichen in gleichem Maße zu. Für Männer im Allgemeinen eher als für Frauen. Diejenigen Jugendlichen, die das Fahrzeug zur Demonstration von Macht und Stärke nutzen, sind in höherem Maße gefährdet als andere, eher angepasste Gleichaltrige. Junge Fahrer sind dann besonders gefährdet, wenn sie eine besonders hohe emotionale Bindung an das Fahrzeug aufweisen, wenn sie eine erhöhte Risikobereitschaft an den Tag legen und eine erhöhte Bereitschaft zeigen, Regeln zu verletzten. Schätzungen zur Folge betrifft dies etwa 10 bis 15 Prozent der jungen Fahrer.

Aktueller Anlass

Einen tragischen Unfall hautnah miterleben

Den ersten „CrashKurs MV“ eröffnete am 09. Januar in der Berufsschule für Wirtschaft und Verwaltung in Schwerin Innenminister Lorenz Caffier.

Viele der 240 Schülerinnen und Schüler zeigten sich emotional stark berührt von den persönlichen Berichten des CrashKurs-Teams über tragische Verkehrsunfälle aus unserer Region. René Kulow (Polizeibeamter), Stefan Krömer (Feuerwehrmann), Christopherus Baumert (Seelsorger), Dr. Gernot Rücker (Notfallarzt) sowie Ottmar und Kerstin Saffan (Eltern des tödlich verunfallten Manuel) appellierten gemeinsam mit Anke Wedlich (Polizeibeamtin) an die jungen Leute sich im Straßenverkehr regelkonform zu verhalten.